Der Audi Dieselskandal – Schadensersatzansprüche bei immer mehr Modellen

Audi ist tief in den Dieselskandal verstrickt. Nicht nur die Diesel mit dem VW Motor EA189, sondern ganz besonders auch die Audis mit größerem 3.0 Liter Motor. Zahlreiche Rückrufe und Verurteilungen zu Schadensersatz dokumentieren den Audi Dieselskandal.

Audi 3.0 Liter Motoren im Dieselskandal

Audi war zunächst über VW vom Dieselskandal betroffen, da in zahlreichen Audi Modellen der manipulierte Diesel Motor EA189 verbaut worden war. Schließlich kam aber heraus, dass auch Audi selbst manipuliert hat. 3.0 und 4.2 Liter Motor von Audi selbst enthalten ebenfalls eine unzulässige Abschalteinrichtung. Darüber sind nun wiederum Modelle von Porsche und auch VW, die diesen Motor nutzen vom Dieselskandal betroffen.

Zahlreiche Gerichte haben bereits Schadensersatz für die manipulierten Fahrzeuge zugesprochen. Audi kann dabei auch zur Zahlung verurteilt werden, wenn es sich um Porsche oder VW Fahrzeuge handelt – viele Gerichte verurteilen nicht den Autobauer, sondern den Hersteller des Motors.

Natürlich haben auch Audi Fahrer zudem die Möglichkeit, bei einer Finanzierung ihren Kreditvertrag auf Fehler prüfen zu lassen. Da etwa 90% der Verträge Fehler enthalten, können fast alle Kreditnehmer den Widerrufsjoker einsetzen und ihren Audi Diesel auf diesem Wege loswerden.

Rückrufe im Audi Dieselskandal

Dutzende Rückrufe für Audi Diesel sind in der Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamtes enthalten. Dabei ist jedoch zu beachten, dass das KBA die Freigaben für die einzelnen Modelle nach und nach erteilt und jedes Mal ein neuer Eintrag erstellt wird. Dennoch sind die Rückrufe im Audi Dieselskandal sehr umfangreich, wie die folgende Auflistung zeigt.

Betroffen von Pflichtrückrufen sind bisher die folgenden Modelle:

Motor EA189 1.6

  • A1 (Euro 5)
  • A3 (Euro 5)

Motor EA189 2.0

  • A1 (Euro 5)
  • A3 (Euro 4 und 5)
  • A4 (Euro 4 und Euro 5)
  • A5 (Euro 4 und Euro 5)
  • A6 (Euro 5)
  • Q3 (Euro 5)
  • Q5 (Euro 4, Euro 5 und Euro 6)
  • TT (Euro 4 und 5)

3.0 Liter Motoren

  • A4 (Euro 6)
  • A5 (Euro 6)
  • A6 (Euro 5 und Euro 6)
  • A7 (Euro 5 und Euro 6)
  • A8 (Euro 6)
  • Q5 (Euro 6)
  • Q7 (Euro 6)
  • SQ5 (Euro 6)
  • S6 (Euro 5)
  • S7 (Euro 5)

4.2 Liter Motoren

  • A8 (Euro 6)

Urteile gegen Audi im Dieselskandal

Immer mehr Gerichte verurteilen Audi für die Verwendung von unzulässigen Abschalteinrichtungen zu Schadensersatz.
Einige Urteile sind inzwischen bereits rechtskräftig.
HAHN Rechtsanwälte selbst konnte schon zahlreiche positive Urteile erreichen.

Hier einige unserer Erfolge im Audi Dieselskandal:

Landgericht Flensburg

14.12.2018
8 O 41/18
Audi Q3
URTEIL

Landgericht Halle

27.06.2019
9 O 9/18
Audi A4
URTEIL

Landgericht Nürnberg-Fürth

24.03.2020
4 O 3058/19
Audi A6
URTEIL

Audi ist zudem Hersteller der Motoren, die auch in vielen VW und Porsche Modellen eingebaut sind, beispielsweise im VW Touareg oder im Porsche Cayenne. Auch als Motorhersteller kann Audi zu Schadensersatz verurteilt werden, selbst wenn es sich um einen Porsche oder VW handelt. Einige Gerichte verurteilen dabei entweder nur den Motorhersteller oder diesen zusammen mit dem Autobauer als Gesamtschuldner. Die Kläger können sich dabei aussuchen, wen der Beklagten sie in Anspruch nehmen. Daher wurde die Audi AG in zahlreichen weiteren Fällen im Dieselskandal verurteilt.

Anspruch auf Schadensersatz von Audi wegen unzulässiger Abschalteinrichtung

Autofahrer, in deren Audi eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut wurde, haben Anspruch auf Schadensersatz. Die Gerichte entscheiden hier regelmäßig, dass Audi die Kläger vorsätzlich und sittenwidrig (gemäß § 826 BGB) geschädigt hat und deshalb schadensersatzpflichtig ist.

Das gilt gleichermaßen für Fahrzeuge von Porsche und VW, die über von Audi gebaute Motoren mitsamt unzulässiger Abschalteinrichtung verfügen. Auch hier wird Audi regelmäßig, entweder alleine oder gesamtschuldnerisch mit dem Autobauer zu Schadensersatz verurteilt.

Bei einer erfolgreichen Klage geben Sie das Fahrzeug an den Hersteller zurück und erhalten im Gegenzug den Kaufpreis erstattet. Eventuell müssen Sie sich eine Nutzungsentschädigung anrechnen lassen. Dies ist nach unserer Auffassung jedoch eine unbillige Entlastung von Audi – schließlich wurden Sie getäuscht. Im Idealfall spricht Ihnen das Gericht ohne Anrechnung einer Nutzungsentschädigung auch noch deliktische Zinsen zu. Gerade bei hochpreisigen Audi oder Porsche Modellen können so hohe zusätzliche Summen zusammenkommen, da die deliktischen Zinsen bei Zusprechung bei 4% des Kaufpreises pro Jahr liegen.

BGH und EuGH zeigen verbraucherfreundliche Tendenzen
Auch höhere Instanzen zeigen verbraucherfreundliche Tendenzen im Abgasskandal. So verkündete der BGH am 25. Mai 2020 sein erstes Urteil im Abgasskandal. Die Richter sprachen dabei einem Kläger Schadensersatzansprüche zu, da VW ihn vorsätzlich und sittenwidrig geschädigt habe, indem es ihm einen Diesel mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung verkauft habe.

Im Sommer wird dann das erste Dieselskandal Urteil vom Europäischen Gerichtshof erwartet. Die Schlussanträge der Generalanwältin machten deutlich, dass diese Abschalteinrichtungen für unzulässig hält. Die Richter müssen ihren Ausführungen zwar nicht folgen, tun dies aber in der Regel.

Autokredit Widerruf auch bei Audi Fahrzeugen möglich

Die Audi Fahrer, die keine Schadensersatzansprüche haben, ihr Fahrzeug aber dennoch gerne loswerden möchten, haben eine zweite Chance. Denn bei finanzierten Audis besteht oft die Möglichkeit, die Finanzierung zu widerrufen – mit positiven Konsequenzen für die Verbraucher. Eigentlich beträgt die Widerrufsfrist bei Autokreditverträgen 14 Tage. Doch diese Frist beginnt nur zu laufen, wenn Verbraucher ordnungsgemäß über ihr Widerrufsrecht aufgeklärt werden. Tut die Bank dies nicht, kann der Widerruf auch noch Jahre nach Abschluss des Vertrages erklärt werden. Dabei muss es sich nicht um die Audi Bank handeln, auch nahezu alle anderen Banken und Sparkassen haben fehlerhafte Widerrufsbelehrungen verwendet, die den späteren Widerruf noch immer möglich machen.

Hat Ihnen der Autoverkäufer die Finanzierung vermittelt bedeutet der Widerruf, dass auch der damit verbundene Kaufvertrag rückabgewickelt wird. Sie geben das Auto an die Bank zurück und erhalten alle bereits gemachten Zahlungen, also Raten und Anzahlung, erstattet. Eventuell müssen Sie sich eine Nutzungsentschädigung anrechnen lassen. Das sollte nach unserer Rechtsauffassung jedoch nur bei älteren Verträgen der Fall sein.

EuGH zum Autokredit Widerruf
Auch hierzu hat sich der EuGH geäußert und mit einem Urteil aus dem März 2020 den Kaskadenverweis für unzulässig erklärt. Dabei wird der Verbraucher von einem Paragraphen zum nächsten verweisen und eben gerade nicht in klarer und prägnanter Form über sein Widerrufsrecht belehrt. Nahezu alle Autokreditverträge haben einen solchen Kaskadenverweis genutzt und können deshalb noch immer widerrufen werden.

Auch Audi Fahrer leiden unter Fahrverboten

Seit 2018 gibt es Diesel Fahrverbote in Deutschland. Zunächst in Hamburg, dann auch in Berlin, Darmstadt und vor allem Stuttgart. Dort gilt es nicht nur in einzelnen Straßen, sondern im gesamten Stadtgebiet. Diesel mit der Abgasnorm Euro 5 oder darunter sind ausgesperrt. Wehren kann man sich gegen einmal ausgesprochene Fahrverbote kaum, man kann aber dafür sorgen, dass man davon nicht mehr betroffen ist, indem man sich ein Modell mit aktuellerer Abgasnorm zulegt. Möglich ist das, indem man eine der beiden oben beschriebenen Möglichkeiten nutzt. Verfügt Ihr Audi über eine unzulässige Abschalteinrichtung, haben Sie Anspruch auf Schadensersatz. Geben Sie Ihr Fahrzeug im Tausch gegen den Kaufpreis zurück. Haben Sie Ihren Audi finanziert, stehen die Chancen gut, dass Sie Ihren Autokreditvertrag widerrufen können. Der Audi geht an die Bank zurück und Sie erhalten Raten und Anzahlung erstattet.

Welche Folgen hat der Dieselskandal für Audi?

Audi musste im Dieselskandal 800 Millionen Euro Bußgeld zahlen, wobei davon nur 5 Millionen Euro das tatsächliche Bußgeld ausmachten, der Rest galt als Gewinnabschöpfung.

Zusätzlich wird auch strafrechtlich gegen Audi ermittelt. 27 Mitarbeiter stehen inzwischen im Fokus der Ermittler. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler saß sogar mehrere Monate in Untersuchungshaft. Er kam zwar nach vier Monaten frei, doch die Ermittlungen gehen weiter.

Der Audi Dieselskandal ist noch lange nicht am Ende, ganz im Gegenteil. Nach den Urteilen von BGH und EuGH zu unzulässigen Abschalteinrichtungen und zum Autokredit Widerruf geht es erst richtig los.

FAQ zum Audi Dieselskandal

Welche Motoren sind vom Audi Dieselskandal betroffen?

Zunächst ging es um den Motor EA189 von VW. Doch schließlich wurde festgestellt, dass auch Audi selbst manipulierte Motoren hergestellt hat. Größere 3.0 Liter und 4.2 Liter Motoren von Audi, die auch bei VW und Porsche verwendet werden, sind ebenfalls vom Dieselskandal betroffen.

Kann Audi auch bei einem Porsche verurteilt werden?

Viele Gerichte verurteilen den Motorhersteller zu Schadensersatz. Das kann bei Modellen von Porsche und VW auch Audi sein. Dabei kann der Motorhersteller alleine oder gesamtschuldnerisch mit dem Autohersteller verurteilt werden.

Was sagt der EuGH zum Autokredit Widerruf?

Der EuGH hat den Kaskadenverweis für unzulässig erklärt. Dieser wurde in nahezu allen Autokreditverträgen verwendet. Durch dieses Urteil sind die Chancen auf einen erfolgreichen Autokredit Widerruf noch einmal stark gestiegen.