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Fahrverbote in Hamburg


An allen Verkehrsmesstationen ist die Luft schlecht

Hamburg zählt zu den 66 Städten, die 2017 laut Umweltbundesamt den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert für Stickoxid-Belastung überschritten haben. Dieser liegt bei 40 µg/m³ als Jahresmittelwert. Die Europäische Union setzt ihn fest. Während, wie in vielen anderen Städten, die Feinstaubwerte in Hamburg unterhalb der Grenzwerte liegen, gelingt das bei den Stickoxiden noch nicht. Das Umweltbundesamt kommt auf einen vorläufigen Jahresmittelwert von 58 µg/m³. An allen vier Verkehrsmessstationen ist die Luft zu schmutzig, bestätigt die Umweltbehörde der Hansestadt.

Auch wenn die Hamburger Luft in den vergangenen Jahrzehnten deutlich sauberer geworden ist: Werden Grenzwerte gerissen, drohen Strafzahlungen, die die Europäischen Union verhängt. Wie die Luft in Hamburg gesünder werden soll, hat der Senat am 30. Juni 2017 in der zweiten Fortschreibung des Luftreinhalteplans beschlossen. Abschnittsweise Fahrverbote sind ein Element.

Max-Brauer-Allee und Stresemannstraße:
Bald bleiben Diesel draußen

Im Juni 2017 hat Hamburg die Durchfahrtbeschränkungen für Abschnitte der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße im Luftreinhalteplan angeordnet. Mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist klar: Das Fahrverbot in Hamburg kommt – vermutlich im Mai, nach der schriftlichen Urteilsbegrünung. Jan Dube, Sprecher der Umweltbehörde, erklärt gegenüber der „Welt“, die Begründung wolle  man abgewartet, damit alle Vorgaben zur Umsetzung der Fahrverbote eingehalten werden können. Alle Vorbereitungen sind getroffen. Nach Pfingsten heißt es wohl: Diesel bleiben draußen.

Max-Brauer-Allee: freie Fahrt nur noch für Euro-6-Diesel

Das Diesel-Verbot auf der Max-Brauer-Allee gilt für rund 600 Meter auf dem Abschnitt von Julius-Leber-Straße/Max-Brauer-Allee bis Holstenstraße/Max-Brauer-Allee. Pkw und Lkw bis einschließlich Schadstoffklasse Euro-5 dürfen diese Strecke nicht mehr befahren. Alle anderen haben weiter freie Fahrt. 

Neben den Verbotsstrecken sieht der Luftreinhalteplan Ausweichstrecken vor. Die Umweltbehörde kommt nach Berechnungen zu dem Schluss, dass dort die Stickoxid-Belastung steigen wird. Jedoch werde der Verkehr so gelenkt, dass keine Grenzwert-Überschreitungen zu erwarten seien.

Betroffene Diesel-Fahrer sollen in beiden Richtungen die ausgeschilderte Umleitung über die Königstraße-Holstenstraße nehmen.

1,6-Kilometer-Sperre an der Stresemannstraße gilt nur für Lkw

Diesel-Lkw bis einschließlich Euro-5 müssen auf etwa 1,6 Kilometern an der Stresemannstraße draußen bleiben. Das gilt für alle Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen Gesamtmasse einschließlich Anhänger und Zugmaschine. Für sie ist mit der Durchfahrtsperre der Abschnitt von Kaltenkircher Platz/Stresemannstraße bis Pferdemarkt verboten. Pkw dürfen weiter passieren. 

Zum Umfahren legt die Behörde folgende Ausweichrouten fest:

Ausweichrouten Richtung Westen:

  • Ausweichroute 1:
    Klosterwall – Steintorwall – Glockengießerwall – Lombardsbrücke – Esplanade – Gorchfock-Wall – Jungiusstraße – St. Petersburger Straße
  • Ausweichroute 2:
    Glacischaussee – Holstenglacis – St. Petersburger Straße
  • Ausweichroute 3:
    Neuer Kamp – Feldstraße - Holstenglacis – Karolinenstraße
  • Gemeinsame Führung der Ausweichrouten 1 bis 3 ab Rentzelstraße:
    Rentzelstraße – Schröderstiftstraße – Schäferkampsallee – Fruchtallee – Doormannsweg – Alsenplatz – Augustenburger Straße

Ausweichrouten Richtung Osten:

  • Ausweichroute 1:
  • Bornkampsweg – Holstenkamp – Eimsbütteler Marktplatz – Fruchtallee
  • Ausweichroute 2:
    Kaltenkirchener Straße – Augustenburger Straße – Doormannsweg
  • Gemeinsame Führung der Ausweichrouten 1 und 2 ab Fruchtallee:
    Fruchtallee – Schäferkampsallee – Schröderstiftstraße – Rentzelstraße – Karolinenstraße – Holstenglacis – Sievekingplatz

Anwohner und Handwerker dürfen fahren

Im Luftreinhalteplan ist auch festgelegt, für wen Ausnahmen vom Diesel-Verbot gelten. Anlieger wie Anwohner und deren Besucher, Kunden und Beschäftigte von ansässigen Geschäften, Praxen und ähnlichem, Einsatzfahrzeuge, der Handwerker- und Lieferverkehr, Linienbusse und die Müllabfuhr dürfen fahren.

Das Fahrverbot gilt so lange, bis die Luft sauber genug ist

Die Fahrverbote an der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße sind zeitlich nicht begrenzt. Sie sollen so lange gelten, bis auch ohne diese Maßnahme der EU-Grenzwert im Jahresdurchschnitt unterschritten ist.

Weitere Fahrverbote oder blaue Plaketten sollen nicht kommen

Laut der Hamburger Umweltbehörde sind keine weiteren Fahrverbote vorgesehen. Nach sorgfältiger Abwägung seien Durchfahrtbeschränkungen im Luftreinhalteplan nur für die Max-Brauer-Allee und die Stresemannstraße beschlossen worden. Die Polizei soll Schwerpunkt- und Stichprobenkontrollen durchführen. Damit ist die Einführung von blauen Plaketten wohl erst einmal vom Tisch. Zuletzt hatte sich Hamburgs Verkehrssenator Frank Horch im Vorfeld der Verkehrsministerkonferenz in Nürnberg gegen die Aufkleber an der Windschutzscheibe ausgesprochen.

Was Hamburg außerdem für bessere Luft macht

Um die EU-Grenzwerte für Stickoxide einzuhalten, sieht der aktuelle Luftreinhalteplan weitere  Maßnahmen neben den Diesel-Fahrverboten vor. Der Radverkehr sowie die U- und S-Bahnen werden ausgebaut. Die Stadt bekommt mehr als 200 neue saubere Busse. Sie baut rund 1000 Ladepunkte für E-Fahrzeuge. Für den eigenen Fuhrpark will sie schadstoffarme Autos anschaffen und das Car-Sharing-Angebot elektrifizieren.

Fazit

Hamburg führt als erste Stadt Fahrverbote für Dieselfahrzeuge ein. Wie sich diese auf die Luftverschmutzung in der Hansestadt auswirken, muss sich zeigen. Kritiker befürchten ein Verlagerung des Problems auf die Umgehungsstrecken. Zwar drohen Diesel-Fahrern in Hamburg durch insgesamt knapp 2,4-Kilometer verbotene Strecke keine großen Einschränkungen, doch zeigt die Durchfahrtbeschränkung, was in anderen Städten zu befürchten ist. Das Hamburger Diesel-Verbot wird voraussichtlich das erste, aber nicht das letzte sein.

Themen Fahrverbote